Die Fachoberschule (2015 – 2017)

In der elften Klasse kam leider vieles auf mich zu, womit ich nicht gerechnet hätte! Das erste halbe Jahr verlief gut, der Unterrichtsstoff fiel mir leicht und wenn nicht, dann lernte ich genug, dass es zu keinem Problem kam.

In der FOS hat man in der elften Klasse zwei Tage Schule und drei Tage Praktikum, aber ich kann ehrlich sagen, dass mir das Praktikum besser gefiel als die Schule. Mein Praktikum im Wohnhaus auf den Zietenterrassen, das zu den Göttinger Werkstätten gehört, gefiel mir sehr. Ich verstand die Arbeitsabläufe schnell und durfte nach ein paar Monaten auch schon eigenständig Aufgaben erledigen oder alleine im Büro arbeiten, es war eine große Verantwortung, die ich gut gemeistert habe. Spaß machte mir das Ausrechnen der Taschengelder aber auch kleinere Aufgaben wie die Ablage machen, bereiteten mir Freude.

Nach ungefähr sechs Monaten merkte ich, dass sich irgendetwas mit meinem Nacken veränderte, er fühlte sich plötzlich so weich an. Das nahm ich aber nicht ernst, ich dachte es würde schon nichts Schlimmes sein. Also bin ich am nächsten Morgen ganz normal zum Praktikum gegangen und nach einem ganzen Arbeitstag vor dem Computer merkte ich, dass es nicht besser wird, die Fahrt nach Hause verbesserte auch nichts daran und am Abend merkte ich, dass es jetzt endgültig vorbei sei. Ich konnte meinen Kopf gar nicht mehr halten, er hang nur noch nach vorne oder zur Seite. Ich konnte mir das nicht erklären, ich kann sagen, dass es ein schlimmes Erlebnis für mich war. Ich hatte überhaupt keine Kontrolle mehr, ich konnte meinem Kopf weder bewegen noch anheben. Meine Eltern waren auch total erschrocken, meine größte Angst war „Ist meine Krankheit schlimmer geworden?“ und „Hoffentlich bleibt das nicht so!“ Ich legte mich sofort hin in der Hoffnung, dass es dann wieder weg geht, weil ich doch gerne am nächsten Tag zum Praktikum wollte. Aber am Morgen war es nicht anders, ich konnte meinen Kopf nicht halten, deswegen fuhren meine Eltern und ich ins Krankenhaus. Da wir Angst hatten, dass sich vielleicht eine Schraube im Rücken gelockert haben könnte. Ich kann Sie schon mal beruhigen, es war nichts Schlimmes! Von der Notaufnahme wurde ich weitergeleitet an die Orthopädie, dort musste ich noch ewig warten und ich konnte wirklich nicht mehr, es war so anstrengend irgendwie den Kopf auch nur etwas aufrecht halten zu können. Mein Papa fragte zwar mehrmals nach, wann es den endlich weiter gehe, aber sie meinten nur, wir müssten uns noch etwas gedulden. Nach einer weiteren halben Stunde reichte es mir, ich sagte zu Papa: „Fahr mich mal zur Rezeption“. An der Rezeption platze mir im wahrsten Sinne des Wortes der Arsch, ich sagte: „Ich weiß, dass sie viel zu tun haben aber mir reicht es jetzt, ich halte es nicht mehr aus! Ich sitze jetzt schon ewig hier und sehe, dass ihre Kollegen schon sonst wie lange rumsitzen und nichts tun und die anderen hier nur essen, die sollen jetzt mal was tun“.

Dann ging es auf einmal innerhalb von fünf Minuten los, der Arzt kam und untersuchte meinen Nacken genau, dann schaute er sich noch meine Röntgenaufnahmen von meinem Rücken von vor einem Jahr an. Anschließend sagte er, dass am Rücken nichts passiert sein kann, da die Schrauben sich schon gut verwachsenen haben und man das am Rücken sehen würde, wenn etwas rausgerissen wäre.

Er sagte ich hätte einen total überlasteten Nacken, deswegen machen die Muskeln im Moment nicht das, was sie tun sollten. Aber das würde nicht für immer so bleiben, das fand ich doch sehr beruhigend. Der Arzt verschrieb mir dann ein Rezept für Massagen und heiße Rolle, dann eröffnete er mir, dass ich eine Woche nicht zum Praktikum und zur Schule dürfte, damit sich der Nacken erholen könne. Und ich sollte ab jetzt nur noch vier Stunden täglich zur Arbeit und zur Schule, damit sowas nicht mehr vorkommt und das Überanstrengung für meine Krankheit nur kontraproduktiv wäre. Davon war ich natürlich, wie Sie sich denken können, überhaupt nicht begeistert, weil ich keine extra Würste mag.

Am selben Tag rief ich bei meinem Praktikumsbetrieb an, ich hatte solche Angst, dass ich entlassen werde. Aber für sie war das überhaupt kein Problem mit der Teilzeitarbeit, sie meinten, die Gesundheit gehe nun mal vor. Dann musste ich es noch in der Schule ansprechen, das fand ich noch schlimmer, weil es eine Vorschrift gab, dass man 960 Stunden Praktikum absolvieren muss, um in die zwölfte Klasse versetzt zu werden. Das würde ich jetzt wohl nicht mehr schaffen. Ich musste zum Leiter der FOS, der war von meiner ärztlichen Bescheinigung nicht begeistert und sagte er wüsste nicht, ob ich die FOS mit weniger Praktikumszeit abschließen könnte. Ich sagte, ich hätte schriftlich vom Arzt, dass ich nicht mehr als vier Stunden kann und darf, darauf sagte ich, dass es dafür bestimmt Gesetze gäbe, dass man aus gesundheitlichen Gründen nicht benachteiligt werden darf. Er sagte, sie müssen das auf einer Konferenz beschließen, denn wie er sehe, sei ich eine gute Schülerin. Ich sagte noch, ich werde trotzdem von der ersten bis zur sechsten Stunde anwesend sein, gut das wir nicht länger hatten, außer manchmal, aber dort war der Sportunterricht, an dem ich nicht teilnehmen musste.